Florian Manz Photography

PARADIS DE RETRAITÉS

In der rechten Hand eine Shampoo-Flasche, an den Füßen Badelatschen und auf der Nase eine rosa Sonnenbrille. Unter dem viel zu langen, creme-gelben Handtuch, das sich der Mann über die linke Schulter geworfen hat, zeichnet sich ein mächtiger Bierbauch ab. Das graue, Haar ist zu einem Zopf zusammengebunden. Die blau, türkis gefleckte Badehose, die aus einem anderen Zeitalter zu stammen scheint, hängt auf halb acht und ermöglicht dem Betrachter so einen Blick auf sein Maurerdekoltee. Gemächlich, fast schon mit einer majestätisch Gelassenheit, schlurft der braungebrannte Rentner die Strasse entlang. Wie alle anderen pensionierten Urlauber hier hat er Zeit, viel Zeit. Die die Urlauber wahlweise in einem der Vergnügungsparks, Shopping-Center, Restaurants, Swimming-Pools oder auf der Sonnenliege am Meer verbringen. Sie machen Urlaub im Rentnerparadies im Süden Frankreichs.

Hinter ihm zeichnet sich einer der vielen seelenlosen Plattenbauten ab. Stapelweise, fünf Stockwerken übereinander verbringen hier die Urlauber dicht an dicht in kleinen, einheitlichen Ferienwohnungen die Nächte, um dann am nächsten Morgen erneut zum Strand gehen um dort den Tag zu verbringen.

Von Perpignan führt die französische Schnellstraße D617 an die nahe gelegene Küste. Im Sommer ist der 50km lange Küstenstreifen zwischen Leucate und Saint Cyprien ein Eldorado für Pauschaltouristen: Hier gibt es billige Ferienwohnungen in den endlos an einander gereihten Plattenbauten. Wer mit dem eigenen Wohnmobil anreist, der kann auf einem der Campingplätze oder einfach direkt am Straßenrand seine Sonnenliege aufbauen. Am Ende der Hochsaison bleiben lediglich die Rentner zurück. Die Touristen-Hochburg verwandelt sich dann in ein Paradis de Retraités. Zwischen allerlei Restaurants, Shopping-Meilen und ausgestorbenen Freizeitparks ziehen dann nur noch die Senioren auf dem Klappfahrrad oder mit den Trolley hinter sich herziehend, ihre einsamen Runden.

Das Leben scheint auf dem Liegestuhl stattzufinden. Ob am Pool, am Strand, im Hinterhof, vor dem Campingmobil oder auf dem Balkon – überall liegen die Menschen auf dem Rücken oder Bauch und lassen sich die Sonne auf die Haut scheinen. Es ist ein Ort, an dem man entweder schon dicke, ledrige, braungebrannte Haut hat. Die Sorte bräune, der man ansieht, dass sie schon viel zu lang viel zu viel Sonne gesehen hat. Oder aber Urlauber, die sich auf einem der unzählbaren Liegestuhle die Haut in einem rosa-roten Hautton verbrennen lassen, dass man meint den kommenden Hautkrebs riechen zu können.

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