Florian Manz Photography

CARBOUNAR

Holzköhler in Rumänien. Rauchschwaden ziehen durch die Luft. Der Wind treibt sie hinab ins Tal und hüllt die Bäume der angrenzenden Wiesen in einen dichten weißen Nebel. Aus schwarzen, rund fünf Meter hohen Hügeln steigt beißender Rauch auf, der einem die Tränen in die Augen treibt. Vereinzelt züngeln Flammen aus den rundherum rauchenden Löchern. Das atmen fällt schwer. Es riecht nach verbranntem Holz, wie in einem riesigen Räucherofen. Der Boden ist pechschwarz. Beim laufen knirschen feine Kohlestückchen unter den Füßen. Inmitten des Qualms und Gestanks arbeiten Männer. Ihre Gesichter, Hände und Klamotten sind schwarz vom Ruß des Feuers. Eine schwere und dreckige Arbeit. Schlecht bezahlt und noch schlechter für die Gesundheit. Sie tragen keine Schutzmasken und haben keine Krankenversicherung. Mitten im Herzens Rumäniens stellen Männer noch Holzkohlen per Hand her, die in Europa für ein rauchiges Aroma auf dem Grill sorgen. Das Köhlern, die Herstellung von Holzkohlen, ist eine Familientradition. Einer der Männer erzählt: „So ein Meiler ist wie ein Kleinkind, du musst 24 Stunden da sein und aufpassen.“ Das Köhlern ist ein Handwerk, das mit Nase, Augen und Ohren betrieben wird. „Anhand der Farbe des Rauches, der aus den Löchern im Meiler steigt, kannst du sagen, was im Inneren passiert. Weißer Dampf und ein Duft wie scharfe Paprika bedeutet es muss mehr Wasser aus dem Meiler raus. Weißer Rauch bedeutet, dass alles in Ordnung ist. Flammen oder Funken dürfen nicht aus den Löchern lodern, denn dann verbrennt das Feuer zu Asche. Seit dem 19. Jahrhundert wird diese Technik der Karbonisierung von den Vätern an ihre Söhne weitergegeben. Einst wanderten die Köhler von Dorf zu Dorf und verkauften ihre Kohle an Schmieden und Schlosser. Heute wird ihre schwarze Ware auf Lastkraftwägen über Bukarest nach ganz Europa zum Grillen und zur Wasserfiltration transportiert. Nahe des Dörfchens Calonda leben und arbeiten auf einem vulkanischen Hochplateau noch rund ein Dutzend Männer als Holzköhler. Der Ort wirkt wie aus einer anderen Zeit oder einem anderen Kontinent. Ein Leben inmitten eines immer fort während rauchenden, stinkenden und schwarz verrußten Mikrokosmos aus dem es kein Ausweg zu geben scheint.

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